[Blog] Ich bin politisch.

Laufen bleibt Laufen – Politik bleibt Politik.

So (oder so ähnlich, Anm.) scheint bei Zeiten das Feedback der kleinen, aber sonst so stillen Internetläuferschaft zu sein, die in jeder Form der politischen – oder schlimmstenfalls antirassistischen – Äußerung eine weitgreifende und furchtbare [!sic] Politisierung ihres Laufsports sehen. Doch keine Angst liebes Läuferlein. Ein antirassistisches Statement sollte deinen geschmeidigen Trailrun nicht in Gefahr bringen und ein Erdnussbutterglas mit durchgestrichenem Hakenkreuz ist auch noch lange kein Ausruf des Kommunismus.

Nazis umschmieren - Sticker

Der Social Media-Stream der Internetläuferschaft scheint sich derzeit in zwei Hälften zu spalten. Zur Linken ein aufmerksames Häufchen, das politisch interessiert ist und sich in Zeiten, in der ein Rechtsruck in unserer Gesellschaft so spürbar ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr, sich gerne und laut äußerst. Manchmal ein wenig zu laut. Manchmal ein wenig übers Ziel hinweg. Aber stets mit offenem Gemüt. Und zur Rechten eine scheinbar etwas zu cholerische Front, die sich bei jedem geteilten #FCKAFD-Tweet vor dem Verlust ihres ach so unpolitischen Laufsports fürchtet.

Doch woher kommt diese Angst?

Ich meine nicht jene Angst um die Politisierung ihres [!sic] Sports. Diese Angst kann ich mir leicht erklären. Schließlich werde ich in meiner Freizeit plötzlich damit konfrontiert, dass Menschen leiden. Menschen ertrinken. Menschen irgendwohin geschickt werden, um was auch immer zu tun. Und, dass die Gesellschaft, in der wir überwiegend sehr gut leben, einen großen Teil dazu beiträgt. Das ist unbequem – und weit außerhalb unserer Komfortzone. Umso einfacher ist es, sich selbst als Opfer der pseudolinksradikalen Informationsterroristen zu sehen. Und umso schöner ist, sich dementsprechend vor seiner Followerschaft als solches zu inszenieren. Es ist nun mal auch ein hartes Los. Da will man nur kurz seinen entspannten Waldlauf in seine Timeline schieben und 3-4 Kudos für seinen mühsam errungenen Schweiß ernten und – Zack – schiebt wieder irgendjemand das Bild eines sinkenden Flüchtlingsboots auf meinen Monitor. Stimmung zerstört. Aufmerksamkeit verloren. Und plötzlich wandern meine verdienten Likes an die Gutmenschen. Als hätten die nicht schon genug.

Meiner Auffassung nach sind es besonders engstirnige und egozentrische Wesen, die sich über die vermeintliche Politisierung ihres Hobbys echauffieren. Die Sichtweise, dass ich um Himmels Willen bitte nicht mit den Problemen der Welt konfrontiert werden möchte, lässt zumindest diesen Rückschluss in dieser Deutlichkeit zu.

Doch – und so lautet die Preisfrage – findet denn momentan überhaupt eine Politisierung statt? Oder war der (Lauf-) Sport nicht schon immer ein politisches Ereignis? Letztlich besteht Politik ja (glücklicherweise) nicht nur aus Flüchtlingsströmen, AfD und Rassismus, sondern auch aus Vereinsarbeit, kommunalen (Lauf-)Veranstaltungen und Ernährungphilosophien. Dinge, von denen wir als Sportler profitieren. Politik ist ein Teil des Sportswesens und dies zu leugnen – oder gar anzuprangern – nicht mehr als ein belächelnswerter Versuch aufmerksame Menschen in eine Ecke zu stellen. In die Ecke, in die jene kommen, die versuchen anderen ihre Meinung aufzudrücken.

Doch, und das möchte ich betonen, ist eben auch die Arbeit gegen menschenverachtende (und somit auch rassistische) Tendenzen ein Teil der Politik. Ein Teil des Sports. Wie nun schon so oft kund getan ist Antifaschismus keine sonderlich politische Meinung, sondern ein Grundsatz, den jeder aufgeschlossene Mensch in unserer Gesellschaft leben sollte. Das dem nicht so ist, zeigt ein Blick auf Wahlumfragen. In unsere Städte. Und nicht zuletzt in unsere Timeline.

Sich so zu positionieren ist noch lange kein linker Lagerkampf (Schade eigentlich). Schlichtweg eine gesunde Grundhaltung. Doch das eben eine menschenfreundliche Grundhaltung einen in die linke Schublade steckt, ist doch eines von vielen besorgniserregenden Signalen, die nur zu deutlich den Weg unserer vermeintlichen “Mitte” Richtung rechte Außenwand zeigen.

Ich verlange von niemanden, dass er sich euphorisch und mit Herzblut politisch engagiert, doch es ist nicht zu viel verlangt, die Menschen, die eben dies tun, nicht vor den Karren zu treten. Denn niemand zwingt dich, meine “Gutmenschen”-Tweets zu lesen. Einem Account ist schnell entfolgt, ein Hashtag ist fix gemuted ehe man sich versieht ist man zurück in seiner Komfortzone. Alleine auf dem Waldtrail. Ohne Gutmenschen. Ohne Probleme.

Daniel

5 Antworten auf „[Blog] Ich bin politisch.“

  1. So Ist es. Außerdem war und ist Sport seit Urzeiten eine Völkerverbindung.
    Deshalb gab und gibt es olympischen Frieden, die Gleichheit aller Sportler unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und gesellschaftlicher Schicht und die “Möglichkeit” sich mit anderen Sportlern überhaupt auszutauschen und gegebenenfalls über diese Politisierung zu stänkern.
    Das hat nichts mit linksaussen zu tun, sondern mit fair play und sportlichem Wettkampf.
    Darum sollte sich jeder, der sich für spaltenden, undemokratische oder gar klar hassverbreitende Strömungen ausspricht (und ignorieren und sie machen lassen ist befürworten) überlegen ob er “seinen” Sport dafür opfern möchte, dass er nicht belästigt wird.
    Running a open world with a open mind.

    LG Peter

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